Vortrag von Mekonnen Mesghena
Migranten: Strukturelle Unterschicht oder Begabungsreservoir?
Was aus ökonomischer Notwendigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg geschah, hat die bundesrepublikanische und andere europäische Gesellschaften grundlegend verändert. Heute hat jede/r fünfte BürgerIn in Deutschland einen „Migrationshintergrund“. Erst mit Inkrafttreten des „Gesetzes zur Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung“ 2005 hat Deutschland mehr oder weniger seinen Status als Einwanderungsland anerkannt. Trotzdem: Weder in der Vergangenheit noch heute findet eine systematische Migrations- und Integrationspolitik statt. Gerade in Zeiten, in denen der Wettbewerb um Talente und die „besten Köpfe“ auf den globalen Arbeitsmärkten heftig geführt wird, ist eine solche Untätigkeit fatal. Ein ganzer Bevölkerungsteil wird systematisch und unsystematisch aus dem sozio-ökonomischen Leben ausgeschlossen. Das Problem ist dabei nicht nur die mangelhafte Qualifikation von MigrantInnen, sondern auch die Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Deutschland gehört zu den wenigen OECD-Ländern, wo Hochqualifizierte mit „Migrationshintergrund“ am schlechtesten am Arbeitsmarkt beteiligt sind. Fehlende Angebote, fehlender Anreiz für Karrieren und Diskriminierung zwingen sie, das Weite zu suchen – und sie werden woanders mit offenen Armen empfangen! Deutschland hat sich in den letzten Jahren de facto mehr und mehr zu einem Entsenderland von qualifizierten Arbeitskräften entwickelt. Der demographische Wandel wird die Probleme weiter verschärfen.
Im Rahmen des Impulses sollen folgende Themen und Fragen erörtert werden:
- Wie können Unternehmen und Personalmanager jenseits der offiziellen Politik die Potenziale der Gesellschaft, die Migrantinnen und Migranten einschließt, intelligent nutzen und in ihre Personalstrategie einbinden?
- Welche Kooperationen und Allianzen kann die Privatwirtschaft bei der Begegnung der Herausforderungen anstreben?
- Können Diversity-Konzepte hilfreiche Instrumente sein, um Integrationsdefizite zu beheben und Migrantinnen und Migranten auf allen Ebenen teilhaben zu lassen.
- Positive Beispiele aus der Runde der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die ausgetauscht werden können.





