Vortrag von Dr. Winfried Zimmermann und Peter Schmidt

Quo vadis, Tarifpartnerschaft? Überlegungen zu alternativen Wegen des Miteinanders

„Quo vadis, Tarifpartnerschaft?“ – diese Frage stellt sich angesichts von eskalierenden Tarifverhandlungen immer häufiger. Ob bei der Bahn oder bei der Lufthansa, im Arztwesen, im Einzelhandel oder im öffentlichen Dienst: überall geraten Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einer lange nicht gekannten Intensität aneinander. Auseinandersetzungen werden verbissener und bis auf die persönliche Ebene geführt. Einigkeit herrscht nur darüber, dass beide Seiten kein Interesse an einer solchen Entwicklung haben können. Denn Verlierer sind am Ende beide.

Doch was sind die Gründe für die Konfliktzunahme in der über viele Jahre sehr konsensorientierten deutschen Tariflandschaft? Drohen in den nächsten Jahren zunehmend französische oder italienische Verhältnisse mit Generalstreiks, die das ganze Land lahmlegen und die Wirtschaftsleistung beschädigen? Und wie können die negativen Tendenzen im Sinne aller Betroffenen gestoppt werden?

Fest steht, dass sich wandelnde wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen den Spielraum für die beteiligten Kräfte massiv verengt haben. Vor allem der Druck auf die Verhandlungsführer, publikumswirksame Erfolge zu erzielen, hat sich massiv erhöht. Der Kampf um Legitimation und Anerkennung, um die eigene Position und um das Überleben der eigenen Organisation treibt immer wieder irrationale Blüten, die Tarifverhandlungen eskalieren lassen.

Allerdings gibt es Möglichkeiten, diese Eskalation zu vermeiden oder sie zumindest im Rahmen zu halten. Dafür lohnt ein Blick ins Ausland genauso wie in verschiedene Branchen in der Bundesrepublik. Leider unterscheiden sich die Erfolge in Deutschland von Branche zu Branche gewaltig. Dies provoziert an manchen Stellen den Ruf nach dem Staat – und stellt somit die Tarifautonomie grundsätzlich in Frage.

Vor diesem Hintergrund gehen Herr Dr. Zimmermann und Herr Schmidt in ihrem Impulsreferat nicht nur der Frage auf den Grund, was denn die Entwicklungen sind, die die Tarifpartnerschaft klassischen Zuschnitts infrage stellen. Sie stellen vielmehr eine Vielzahl von Denkansätzen – auf Verhaltens- und Prozessebene – vor, die geeignet sein könnten, die entsprechenden Konflikte zu adressieren. Das Ziel, das alle Ansätze gemein haben, ist, Tarifverhandlungen in Zukunft wieder für beide Seiten im Sinne einer Win-Win-Situation effizienter und erfolgreicher zu gestalten.

In der anschließenden Diskussion sollen Vor- und Nachteile der identifizierten Instrumente erörtert und innovative Ideen aus dem Plenum aufgenommen werden. Auf Basis der Ergebnisse sollen dann über die folgenden Monate umfassende Vorschläge gemeinsam mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern entwickelt und in eine Pilotierung überführt werden.

Referentenprofil Dr. Winfried Zimmermann | Referentenprofil Peter Schmidt

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